Die Nationale Programmplattform „Entwicklung und Chancen junger Menschen in sozialen Brennpunkten“ (E&C)

Das Partnerprogramm „Entwicklung und Chancen junger Menschen in sozialen Brennpunkten“ (E&C) des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) ist im Sinne einer ressortübergreifenden Bündelung der Ressourcen und Aktivitäten in jenen Stadtteilen angesiedelt, die im Rahmen des Bund-/ Länderprogramms „Die Soziale Stadt“ - Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf“ des BMVBW von den Ländern in Abstimmung mit den Gebietskörperschaften ermittelt wurden. Im Gegensatz und in Abgrenzung zu den städtebaulichen Investitionsprogrammen ist das Programm „E&C“ als nationale Programmplattform kein Förderprogramm im klassischen Sinne, sondern der Versuch, mit den Akteuren auf den unterschiedlichen Ebenen Bund, Land, Kommunen und Stadtteil Erfahrungsaustausch und fachlichen Diskurs anzubieten.

Als die Stiftung SPI sich im Jahr 2000 um die Regiestelle im Rahmen der Ausschreibung beworben hat, hat sie das Angebot unter die Überschrift „Soziale Arbeit als Koproduktion“ gestellt.

Im Zentrum der vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend initiierten Programmplattform „E&C“ stehen benachteiligte Kinder und Jugendliche in sozialen Brennpunkten und strukturschwachen ländlichen Regionen. E&C fügt deshalb den städtischen Quartieren des Programms „Die Soziale Stadt“ als einen besonderen Programmschwerpunkt „strukturschwache ländliche Gebiete“ hinzu.

Ziel des Programms „E&C“ ist es zum einen, über die im Rahmen des Kinder- und Jugendplans des Bundes geförderte Infrastruktur der Kinder- und Jugendhilfe, Ressourcen und Maßnahmen für diese Sozialräume zu mobilisieren, die Arbeit im Rahmen der Kin-der- und Jugendhilfe in diesem Sozialräumen qualifizieren und weiterentwickeln zu helfen sowie den Blick in der Kinder- und Jugendhilfe stärker als bisher auf die Probleme und Schwierigkeiten junger Menschen in diesen Sozialräumen zu richten. Zum anderen sollen neue Maßnahmen entwickelt und erprobt werden, die zur Förderung der sozialen, beruflichen und gesellschaftlichen Integration junger Menschen aus diesen Sozialräumen beitragen.

Die Bekämpfung von sozialer Ausgrenzung, der Erwerb von Zukunftskompetenzen für Kinder und Jugendliche, die Stärkung von Eigenverantwortung und sozialem Engagement sind, so die Überzeugung des Programms, nicht in den einzelnen Hilfesystemen allein zu realisieren, sondern nur durch die Mobilisierung von Querschnittskompetenzen der Ämter und Träger wie des demokratischen Gemeinwesens sowie durch die Stärkung der Handlungskompetenzen aller Akteure vor Ort im Stadtteil.

Vor diesem Hintergrund betont das „E&C“-Programm das Prinzip der sozialräumlichen Vernetzung. In diesem Sinne strebt die Programmplattform „E&C“ weniger die schlichte Übertragung bewährter Arbeitsformen in soziale Brennpunkte an, sondern zielt auf die Berücksichtigung der sozialräumlichen Rahmenbedingungen der Adressatinnen und Adressaten und ihren Umgang damit, die Einbeziehung und die Kooperation mit den vorhandenen bzw. in der Entwicklung befindlichen Institutionen und Einrichtungen und die Entwicklung eines auf die jeweiligen Probleme und Bedarfslagen bezogenen, Unterstützungsangebotes.

Die Regiestelle E&C der Stiftung SPI hat den Auftrag, den Akteuren auf Bundes-, Landesebene, Städte- und Gemeindeebene, der Landkreise, der bundeszentralen freien Träger der Kinder- und Jugendhilfe, der Quartiersmanager ein Forum zu bieten, um sich auf Maßnahmen und Beiträge zur Verbesserung der Lebenslagen von Kindern und Jugendlichen in benachteiligten Gebieten zu verständigen.

Damit verweist die Programmphilosophie von „E&C“ auf die Eigenverantwortung der öffentlichen und freien Träger, insbesondere auf die Zuständigkeit und Kompetenz der kommunalen und lokalen Ebene. Die Programmplattform „E&C“ will erreichen, dass mit den entwickelten Strukturen der Kinder- und Jugendhilfe der sozialräumliche Paradigmenwechsel geschafft wird und setzt auf den Veränderungs- bzw. Reformwillen der Akteure.

Kernpunkte dieser Gemeinschaftsanstrengung sind:
  • die Verbesserung der sozialen Infrastruktur;
  • die Verbesserung der Sozialisationsbedingungen für ein gelingendes Aufwachsen;
  • die Teilhabe (materiell, sozial, kulturell und politisch) der Bewohnerinnen und Bewohner, der Kinder und Jugendlichen;
  • die Neuausformung einer Angebotsstruktur individueller Hilfen, einer modernen Kinder- und Jugendhilfe im Sinne einer Lebenslagenpolitik, die nur als Gemeinschaftswerk gelingen kann.

Die Essentials der fachlichen Standards beider Programme „Die Soziale Stadt“ und „E&C“ sind:

  • Sozialraumorientierung;
  • die Entwicklung neuer Steuerungsinstrumente;
  • die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger;
  • das Ausrichten aller lokalen Akteure auf die Umsetzung gemeinsamer sozialer Ziele.

Die Sozialraumorientierung wird dabei übersetzt als die Gestaltung von Strukturen und Beziehungen in der Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen und ihrer Eltern, der Aktivierung von materiellen und sozialen Ressourcen, dem Aufbau von Netzwerken, der Quartiersarbeit und der Gemeinwesenarbeit.

Die Beteiligung oder auch Demokratisierung meint die Gestaltung der materiellen und sozialen Teilhabe der Adressaten/innen durch demokratische Teilhabe in der Quartierspolitik, in der Gestaltung sozialer Angebote, in der Umsetzung von individuellen Rechtsansprüchen, Hilfeplanung im weitesten Sinne.

Daraus ergeben sich neue Anforderungen an die „Dienstleistungsarbeit“ der professionellen Akteure im Feld. Hierzu gehört insbesondere die Realisierung von Bedürfnissen und Bedarfen der Nutzer/innen, d. h. Nachfrageorientierung, Ergebnisüberprüfung, Beteiligung der Nutzerinnen und Nutzer, Koproduktion mit Schule, Sozialamt, Arbeitsamt, Polizei, Stadtplanungsamt, Gesundheitsamt.

Um in diesem Spannungsfeld handlungsfähig zu bleiben, schlagen beide Programme integrierte Handlungskonzepte im Sinne von lokalen Aktions- und Sozialplänen vor. Sie haben deshalb eine herausgehobene strategische und qualitätssichernde Bedeutung und setzen eine intensive Auseinandersetzung, wie ein abgestimmtes methodisches Vorgehen voraus. Sie verlangen insbesondere

  • eine differenzierte Problembeschreibung (Wer hat welche Probleme mit dem Gebiet?);
  • die Entwicklung von strategischen Entwicklungszielen (Leitzielen);
  • die Umsetzung dieser strategischen Ziele in operative;
  • die Ermittlung der betroffenen Ämter/Ressorts;
  • die Auflistung der bestehenden Fördermöglichkeiten der Städte und Gemeinden des Landes und des Bundes;
  • die Feststellung, wie bestehende Fördermöglichkeiten für die Stadtteilentwicklung neu ausgerichtet werden können;
  • die Feststellung von zusätzlichen Bedarfen;
  • Welche Akteure stehen für welche Aufgabe zur Verfügung? Wer macht was?

Die Ergebnisse dieser Gemeinschaftsanstrengung werden idealtypisch nach folgender Matrix aufgearbeitet

  • soziale und ethnische Integration;
  • öffentlicher Raum und Sicherheit;
  • Wohnen und Wohnumfeld;
  • soziale Infrastruktur, Schule, Kinder, Jugendliche und Familienförderung;
  • Arbeitsmarktpolitik und Wirtschaftsförderung;
  • besondere soziale Lebenslagen, Gesundheitsförderung;
  • neue Steuerungsinstrumente und Ressourceneinsatz.

Die Aufgabe der freien Träger der Kinder- und Jugendhilfe in dieser Gemeinschaftsanstrengung liegt darin, spezifische Strategien der Kinder- und Jugendhilfe zu entwickeln und deren Umsetzung zu fördern, damit auch die jungen Menschen in sozial benachtei-ligten Sozialräumen maßgeschneiderte Hilfen angeboten bekommen. Die Programmplattform „E&C“ wird vom Deutschen Jugendinstitut in der Abteilung Jugend und Jugendhilfe wissenschaftlich begleitet. Vor dem Hintergrund der oben skizzierten Programmatik sollen dabei zwei Fragenkomplexe im Zentrum stehen:

  • Mit Hilfe welcher Konzepte und Strategien und unter welchen Rahmenbedingungen gelingt es, das Prinzip der Ressourcenoptimierung in Bezug auf Kinder und Jugendliche in den Stadtteilen umzusetzen?
  • Mit Hilfe welcher Konzepte und Strategien und unter welchen Rahmenbedingungen gelingt es, die sozialräumliche Vernetzung in den Stadtteilen zu verbessern?

Die wissenschaftliche Begleitung erfolgt in enger Kooperation mit der Projektgruppe „Soziale Stadt“ des Deutschen Instituts für Urbanistik (DIFU). Das Konzept der wissenschaftlichen Begleitung ist auf der Homepage des DJI (www.dji.de) einsehbar. Die Regiestelle E&C der Stiftung SPI informiert über das Internetportal www.eundc.de. Der nationalen Programmplattform „E&C“ sind Programmschwerpunkte/Programmmodule zugeordnet. Gestartet wurde „E&C“ im Herbst 1999 mit einer Reihe von insgesamt 12 Diskussions- und Fachforen. Darüber gab/gibt es im Rahmen der Programmplattform „E&C“ 7 inhaltliche Programmschwerpunkte / Programmmodule:

  • Wettbewerb „Fit für Leben und Arbeit/neue Praxismodelle zur beruflichen und sozialen Integration von Jugendlichen“;
  • Freiwilliges Soziales Trainingsjahr;
  • Vernetzung im Stadtteil und Stadtteilmanagement;
  • Ressourcenorientierung/gezielte Einbeziehung von sozial benachteiligten Jugendlichen in Sport, Kultur und Politik;
  • Anlaufstellen und Interessenvertretungen für junge Migrantinnen und Migranten;
  • Förderung von ehrenamtlichem Engagement in strukturschwachen ländlichen Gebieten;
  • lokale Aktionspläne für Toleranz und Demokratie.

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